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Digitale Transformation:

„Grundlegender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel“

Die zunehmende Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche und Geschäfts- prozesse wird in der Wirtschaft immer mehr zu einem maßgeblichen Wettbe- werbsfaktor. Nicht nur Konzerne, auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor der Herausforderung, ihren Betrieb von Grund auf neu zu denken.

„Der globale Megatrend Digitalisierung hat das Potenzial, das Label ‚Made in Germany‘ in den kommenden Jahren entweder irrelevant oder aber in neuem Glanz erscheinen zu lassen“ – eine eindrückliche Warnung, mit der sich Karl-Heinz Streibich, CEO der Darmstädter Software AG, eindrucksvoll an eine Runde von Wirtschaftsvertretern in Darmstadt wandt. Insbesondere für den Mittelstand gelte es, nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren, sondern die neuen Chancen der digitalen Transformation für die industrielle Praxis auch zu nutzen. Streibich: „Die digitale Transformation verändert bereits heute die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben – und zwar radikal und nachhaltig.“ Noch vor drei bis vier Jahren ein reines Expertenthema, sei dieser Megatrend heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen wie noch kein IT-Trend zuvor.

KH-Streibich

Foto: Software AG

Karl-Heinz Streibich im Gespräch.

Der IT-Vordenker und Chef von Deutschlands zweitgrößtem unabhängigen Softwarehaus macht bereits eine Vielzahl neuer digitaler Unternehmen aus, die alteingesessene Geschäftsmodelle sehr „alt aussehen“ lassen. „Vor allem das Phänomen digitale Disruption – also die Verdrängung bestehender Strukturen durch neue Technologien – führt dazu, dass Märkte und Wertschöpfungsketten und somit letztendlich Firmen heute schnellere Veränderungen erleben als je zuvor“, analysiert Streibich. Immer mehr digitale Plattformen schöben sich heute wie ein Keil zwischen die in Jahrzehnten gewachsenen Verbindungen zwischen Kundengruppen und Anbietern. Streibich: „Diese ‚Digital Disrupter‘ trennen die Kunden von den Firmen, absorbieren sie durch bessere Betreuung in Echtzeit.“

Therapievorschlag: Selbst zum digitalen Unternehmen werden

Vor dem Hintergrund dieses Bedrohungsszenarios stellt sich unmittelbar die Frage nach einem wirksamen Gegenmittel. Streibichs Therapievorschlag lautet, selbst zum digitalen Unternehmen zu werden: „In Zukunft werden nur noch diejenigen Unternehmen erfolgreich sein, die selbst digital denken, ihre Geschäftsmodelle digitalisieren und eigene Software- und Serviceplattformen einsetzen.“ Der Vorstandsvorsitzende der Software AG sieht in der Digitalisierung vor allem auch große Chancen, zukünftig wesentlich effizienter arbeiten und Kunden erheblich besser betreuen zu können. Streibich: „Das ist der Kern unternehmerischen Erfolges.“

Als Hauptvorteile identifiziert die Softwareschmiede beispielsweise eine deutliche Verkürzung der Prozesslaufzeiten von ehemals Tagen auf wenige Stunden, manchmal auch Minuten. Darüber stellen die Darmstädter für manche Unternehmen, z. B. im Mobilfunkbereich, eine Steigerung des Beauftragungsvolumens fest. Auch eine Fehlerreduktion um den Faktor zehn in Prozessen der Auftragsabwicklung steht zu Buche und noch vieles mehr. Streibich: „Last, but not least können durch die Digitalisierung Genehmigungsprozesse aller Art so drastisch verkürzt werden, dass wir damit im Prinzip einen wesentlichen Hebel zum Abbau der Bürokratie in der Hand haben – vor allem auch im öffentlichen Bereich.“ Die Software AG selbst kann heute innerhalb von zwei Stunden alle Genehmigungsprozesse für ein IT-Projekt weltweit durchlaufen. Streibich: „Diese und andere neue Chancen durch die Digitalisierung sind real. Sie sind überall, jetzt und heute gegeben.“

Bei dem Realisierungs- und Betroffenheitsgrad der digitalen Transformation bestehen sowohl in den Ländern als auch bei den Firmen allerdings noch erhebliche Unterschiede. Deutschland verfüge über die Substanz, durch Digitalisierung die nächste – neue – Ebene zu erreichen. Streibich: „Dafür brauchen wir im globalen Wettbewerb die Skaleneffekte aus einem homogenen europäischen Markt.“ Resümee des Vorstandsvorsitzenden: „Die Digitalisierung ist kein kurzfristiger Trend, der an uns vorbeizieht, sondern ein grundlegender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel; sie ist für Firmen und ganze Volkswirtschaften notwendig, in Deutschland insbesondere getragen durch die mittelständische Industrie.“

Veröffentlicht in:  „VDI-Nachrichten“

© Harald Lutz 2016
 



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