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Logistiksysteme:

SAP-EWM-Einführung mit äußerst sportlichem Zeitplan

Eine große Vision geht um beim IT-Dienstleister Bechtle in Neckarsulm. Die Rede ist von der Vision 2020 mit dem Geschäftsziel, in acht Jahren mit 10.000 Mitar- beiterinnen und Mitarbeitern 5 Milliarden Euro Umsatz, bei einer Vorsteuermarge von 5 Prozent, erwirtschaften zu wollen. Um diese anspruchsvollen Vorgaben von der zugrundeliegenden Logistik her verwirklichen zu helfen, wurde das zentrale Auslieferungslager am Firmensitz Neckarsulm in knapp einem Jahr um eine wei- tere Halle erweitert und vollkommen neu organisiert. Im Zentrum der Restruk- turierung stand nicht zuletzt die Einführung der Anwendung SAP Extended Ware- house Management (EWM).

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Intelligente Logistik-Software optimiert Lagerhaltung.

Bis dato gab es im zentralen Auslieferungslager Neckarsulm keine IT-Unterstützung durch ein separates Warehouse-Managementsystem. „Wir nutzten in der Vergangenheit ausschließlich die SAP-Abwicklung über das Modul MM (Materialwirtschaft) in unserem Enterprise-Resource-Planning- (ERP-) System“, erzählt Kratz. Damit wurden die Lagerbestände zwar betriebswirtschaftlich erfasst, nicht jedoch in Bezug auf die konkrete Lagerplatzverwaltung. Heute wird das erweiterte zentrale Auslieferungslager Neckarsulm von SAP EWM organisiert. Kratz: „Der entscheidende Vorteil gegenüber früher ist, dass wir jetzt ein systemgesteuertes Lagerverwaltungssystem (LVS) eingeführt haben. Damit wissen die Lagermitarbeiter beispielsweise genau, wo welcher Artikel liegt und es können für den Groß- und Kleinteilebereich jeweils verschieden abgestimmte Kommissionierstrategien gefahren werden.“

Am Anfang stand die Erarbeitung einer neuen Logistik-Strategie

„Bevor jedoch die neue systemgesteuerte Lagerplatzverwaltung in Neckarsulm in mehreren Etappen zwischen August 2011 und September 2012 ‚live‘ gehen konnte, stand ganz am Anfang die Erstellung einer neuen Logistik-Strategie, die wir zusammen mit Miebach Consulting erstellt haben“, berichtet der Projektleiter. Dabei galt es vor allem, über eine Ist- und Prozessanalyse verlässliche Zahlen und Daten zu generieren, auf die man in Zukunft aufbauen könne. Neben der Einführung eines LVS wurden folgende Teilprojekte identifiziert: Platz schaffen im Kleinteilebereich durch den Einbau einer Zwischenbühne mit 3.500 Quadratmetern und Anbau einer weiteren Halle mit zusätzlichen 3.000 Palettenstellplätzen für den Großteilebereich. Darüber hinaus konnten Kommissionierwege im Kleinteilebereich durch die Implementierung einer neuen Fördertechnik von ca. 1,5 Kilometern Länge erheblich reduziert werden.

Der Übergang von einer weitgehend manuellen zu einer mit SAP EWM verwalteten Lagerorganisation war in Neckarsulm fließend. Heute wird beispielsweise im gesamten zentralen Auslieferungslager, vom Wareneingang bis zum Warenausgang, mit mobilen Datenfunk- (RF-) Endgeräten, sogenannten Handhelds, gearbeitet. Dafür wurde eine eigene WLAN-Infrastruktur aufgebaut. Kratz: „Alle für die Einlagerung oder Kommissionierung nötigen Informationen bekommt der Mitarbeiter auf sein Handheld; diese Informationen nutzt er, um zu kommissionieren oder am Lagerplatz das richtige Produkt zu picken.“ Ein weiterer Vorteil der neuen Technologie ist, Arbeitsabläufe gleichzeitig zu verifizieren. „Das reduziert die Fehlerquote ungemein“, so Kratz. Ganz besonders schätzt der Projektleiter die Möglichkeit die neuen Online-Informationen permanent abrufen zu können. Damit ist zu jeder Zeit bekannt, welcher Bestand von welchem Produkt aktuell am Lager ist. Bei Bestandsdifferenzen werden die betreffenden Artikel automatisch gesperrt und stehen somit zum Kommissionieren nicht mehr zur Verfügung, solange die Abweichung nicht geklärt ist.

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Fotos: Bechtle

Informationen via Datenfunk und Handheld.

„Die Entscheidung für die Warehouse-Management-Lösung SAP EWM fiel uns sehr leicht, da wir SAP bereits für das Enterprise Resource Planning im Haus hatten und keine großen Schnittstellenprobleme zum Lager riskieren wollten“, berichtet Kratz. Alle internen Anforderungen wie die integrierte Verbindung zur Fördertechnik, zum Datenfunk und zu den Handhelds seien durch das Logistiksystem der Walldorfer Softwareschmiede gewährleistet gewesen. Darüber hinaus sei man sich mit dem SAP Consulting sehr schnell einig geworden. Kratz: „Zwischen der Entscheidungsfindung und dem Kick-off im Februar 2011 lagen gerade einmal vier Wochen.“

Nach mehreren schrittweise vollzogenen Go-Live-Szenarien organisiert heute das Logistiksystem SAP EWM im zentralen Auslieferungslager Neckarsulm die lagerplatzgenaue Verwaltung der Bestände, die Erfassung der Sendungen im Wareneingang und die systemgeführte Einlagerung. Weitere realisierte Schritte sind die Optimierung der Kommissionieraufträge, die Steuerung der Kommissionierung und der Fördertechnik, die Abarbeitung der Ein- und Auslagerung mithilfe der mobilen Endgeräte, das Monitoring der Arbeitsplätze, die Steuerung des Nachschubs, die Verpackung im Warenausgang über ein externes Tool zur Erstellung u.a. von Versandetiketten und last but not least das Anmelden der Pakete bei den Transportdienstleistern über eine gesonderte Schnittstelle.

Kein separater Materialflussrechner mehr nötig!

Eines der Highlights bildet zweifelsfrei die nahtlose Anbindung an die neue Fördertechnik. Kratz: „Damit haben wir bei der Wartung der Anlage oder bei Fehleranalysen den Riesenvorteil, auf keinen zusätzlich dazwischengeschalteten Materialflussrechner – wie andernorts oftmals noch üblich – zurückgreifen zu müssen.“ Technologischer Hintergrund: SAP EWM ist in der Lage, direkt mit der Steuerungssoftware (SPS-Ebene) der Fördertechnik zu kommunizieren. „Die Steuerung wird über eine standardisierte Schnittstelle direkt vom Modul MFS (Materialflussteuerung) innerhalb von SAP EWM ‚gefüttert‘“, verdeutlicht SAP-Projektleiterin Christine Bossert, die seit dem Kick-off von Anfang an in Neckarsulm mit an Bord ist. Das LVS ermittelt automatisch, welche Bewegungen über die Fördertechnik auszuführen sind. Am Wareneingang wird beispielsweise eine Box aufgesetzt, diese läuft an einem Scanner vorbei, die SAP-Logistiksoftware vergibt ein Ziel für diese Box und entscheidet, wie die Box innerhalb der Fördertechnik geleitet werden muss. Die Einlagerung erfolgt über die mobilen Endgeräte. Bossert: „Ein Mitarbeiter scannt die ausgeschleuste Box und sein Handheld zeigt an, wohin er sie bringen soll.“

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