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SAP und die Cloud:

Auch große IT-Systeme für Cloudumgebungen erschließen

Nicht mehr länger „nur“ Mittelstandslösungen für die Cloud zu programmieren, sondern vielmehr auch große IT-Systeme für die „Wolke“ kompatibel zu machen, lautet ein Branchentrend der Stunde. Der Siegeszug der IT-Dienstleistungen aus dem weltweiten Datennetz bedeutet aber nicht, dass traditionelle Software aus den Unternehmen gänzlich verschwinden wird. Führende Anbieter, so auch Europas größtes unabhängiges Softwarehaus SAP, gehen mittel- und auch langfristig von der parallelen Nutzung von traditioneller On-Premise-Software und Cloud-Lösungen aus.

„Wir haben momentan 44 Millionen Business-Nutzer in der Cloud, bei einer ‚Revenue-Runrate‘ von 1,2 Milliarden Euro“, bestätigt der VP Co-Innovation für die Cloud-Suite der SAP, Bert O. Schulze, eindrucksvoll den wirtschaftlichen Siegeszug des Betriebsmodells aus der „Wolke“. Gemessen am Gesamtumsatz von 16,4 Milliarden Euro erwirtschaftet die Walldorfer Softwareschmiede damit aktuell gut sieben Prozent ihres Umsatzes in der Cloud – Tendenz weiter steigend.

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Foto: SAP

Cloud-Experte: Bert O. Schulze.

Neben einem starken Wachstumsimpuls für die kommenden Jahre geht SAP heute von einer völlig anderen Adaption des Marktes bei den Cloud-Lösungen aus als in den Anfängen. Schulze präzisiert: „Gegenüber anfangs des Jahrzehnts haben sich die Technologien entscheidend weiterentwickelt.“ So lässt sich das Thema Cloud bei den Walldorfern schon längst nicht mehr auf das ERP-Produkt für den Mittelstand, SAP Business By Design, beschränken, mit dem man einst in die Wolke durchgestartet ist. Auch andere ehemalige On-Premise-Mittelstandsprodukte wie SAP All in One sind heute komplett in der Cloud. Das Gleiche gilt für viele Komponenten des Flaggschiffs, der Business-Suite SAP ERP Central Component (SAP ECC). Schulze: „Wir bieten heute die Option, die SAP-Software entweder in einem On-Premise-Modell oder in einem Cloud-Modell zu beziehen.“

Cloud ist nicht gleich Cloud

In der Praxis unterscheidet SAP allerdings zwischen zwei grundlegend voneinander unterschiedenen Cloud-Modellen: „Bei der Public Cloud teilen sich mehrere Anwender eine Codeline, agieren sozusagen bei sauber getrennten Daten in einer gemeinsamen Instanz“, erläutert der SAP-Cloudexperte. Bei diesen Multitenant-Systemen, die explizit für die Cloud entwickelt wurden, liegen die Daten sauber getrennt in den einzelnen Kundensystemen. Größer Nachteil: Eine Wettbewerbsdifferenzierung der einzelnen Prozesse für die verschiedenen Anwenderunternehmen ist nur noch schwer möglich.

Daneben stellt SAP Software und Infrastruktur über eine sog. Managed Cloud auch in SAP-Rechenzentren bereit. Schulze: „Wenn Sie Public- und Private-Cloudmodelle miteinbeziehen, dann haben die Anwender heute die Möglichkeit, mehr oder weniger das gesamte Leistungsspektrum der SAP aus der Cloud zu beziehen oder wahlweise selbst zu betreiben.“ SAP spricht bei selbstbetriebenen Systemen auch von On-Premise-Delivery-Modellen. Vorteil hierbei: Die Anwender können bei einer größeren Wettbewerbsdifferenzierung möglichst viel von der Attraktivität der Cloud, wie z. B. eine einfache Konsumierbarkeit der Lösungen, mitnehmen – die meisten Anwendungen in der Managed Cloud sind aber nicht nativ für die Cloud gebaut!

Datenmengen wurden signifikant reduziert

Als technologischer Meilenstein, der SAP heute in die Lage versetzt, die meisten Produkte und Lösungen auch in einer Managed Cloud bereitzustellen, gilt die Entwicklung der sog. In-Memory-Technologie. Schulze: „Mit der SAP-Hana-Cloudplattform sind wir heute in der Lage, die für ein großes SAP-System benötigten Datenmengen signifikant zu reduzieren.“ Wo in der Vergangenheit noch mit mehreren Terabytes agiert wurde, konnte der sog. „digitale Fußabdruck“ um den Faktor sieben reduziert werden. „Wir benötigen heute weniger Bandbreite, um Daten von A nach B zu transportieren, und können auch innerhalb der virtualisierten Umgebung in den Rechenzentren viel kompaktere Systeme managen, als das vor einigen Jahren noch der Fall war“, erläutert der SAP Cloud-Experte.

Best Practice oder lieber differenzierende Prozesse?

Nicht jede Branche jedoch geht mit der gleichen Geschwindigkeit in die Cloud. Für die nähere Bestimmung zieht Schulze die zwei Kategorien Best-Practice-Prozesse und stark differenzierende Prozesse heran: „Bei den Best-Practice-Prozessen handelt es sich um hoch standardisierte Prozesse, in denen sich die Unternehmen nicht sehr differenzieren.“ Diese Prozesse eigneten sich besonders für die vier großen Einzelmärkte: Personal-(HR)-, Kundenbeziehungs-(CRM)- und Lieferantenbeziehungs-(SRM)-Management sowie Geschäftsreise-Prozesse. Schulze: „Hiefür stellt der Markt bereits sehr weitreichende Public-Cloud-Modelle bereit, unabhängig von der Branche.“

Am anderen Ende des Spektrums sieht Schulze die sehr stark differenzierenden Prozesse wie z. B. in der Forschung und Entwicklung. Schulze: „Dort werden die Nutzer sicher auch zukünftig lieber auf traditionelle, hoch individualisierte On-Premise-Systeme oder bestenfalls auf die Managed Cloud zurückgreifen.“
 

Cloud-Technologiesprung mit der SAP Hana-Plattform

Basis für den Cloud-Technologiesprung im Hause SAP ist die SAP-Hana-Cloudplattform (SAP HCP). Sie bildet heute das Rückgrat für eine umfassende Bereitstellung der meisten On-Premise-Anwendungen auch in einer Managed Cloud-Umgebung und unterstützt darüber hinaus den Best-Practice-Anwender in der Public Cloud dabei, die Standardkonfiguration in gewissem Rahmen noch individuell zu erweitern.

Bei SAP HCP handelt es sich um eine sog. Plattform-as-a-Service. Dem Produkt liegt der Hana-Datenbankservice zugrunde, der die In-Memory-Technologie beinhaltet. Mit SAP HCP, anfangs noch eine reine BIG-Data-Datenbank, haben die Walldorfer in den vergangenen zwei Jahren eine komplette Plattform aufgebaut, die sämtliche Applikations- und Business-Services bereitstellt, um komplette Lösungen auf dieser Applikationsplattform „bauen“ und betreiben zu können. Als nächsten großen Meilenstein plant die Softwareschmiede, auf Basis der Hana Cloud-Plattformtechnologie die komplette SAP Business-Suite langfristig auch für die Public Cloud verfügbar zu machen. / H.L.
 

Veröffentlicht in: „VDI-Nachrichten“

© Harald Lutz 2015
 



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