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Elektronisches Bezahlen:

Auf veränderte Kundenwünsche reagiert

Die deutsche Kreditwirtschaft beginnt auf verändernde Kundenwünsche, wie auch bargeldlos elektronisch bezahlen zu wollen, sowie auf neue technologische und wirtschaftliche Herausforderungen – überwiegend aus den USA – zu reagieren. Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank sowie jüngst auch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken arbeiten gemeinsam unter Hochdruck daran, das elektronische Internetbezahlsystem Paydirekt aufzubauen. In der ersten Ausbaustufe werden zunächst Bezahlvorgänge im Internet direkt über das eigene Girokonto abgewickelt. Darüber hinaus soll das elektronische Bezahlsystem Paydirekt in einem zweiten Schritt auch zu einer Smartphone-Lösung am „Point-of-Sale“ im Einzelhandel ausgebaut werden.

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Foto: Deutsche Bundesbank

Bargeld im Zahlungsverkehr verträglich reduzieren.

„Vor allem die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben mit ihrer Entscheidung, sich dem – im Aufbau befindlichen – Internetbezahlsystem der deutschen Kreditwirtschaft Paydirekt anzuschließen, in Deutschland eine gewisse Dynamik entfacht“, sagt Ulrich Dietz, der Vizepräsident des Bundesverbands Informations- wirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom e.V.). Mit der Einführung eines schlagkräftigen elektronischen Bezahlsystems aus Deutschland hofft Dietz auf einen ebensolchen Schub beim elektronischen Bezahlen hierzulande wie es ihn durch die geballte Markteinführung von Apple Pay oder Android Pay jenseits des großen Teichs in den USA zu verzeichnen gebe.

„Das neue Bezahlverfahren Paydirekt wird es auch Sparkassenkunden ermöglichen, ihre Internetbestellungen mit Käuferschutz sehr einfach und bequem über das eigene Konto abwickeln zu können“, erläutert Dr. Rüdiger Mock-Hecker, Leiter Payment beim Deutschen Sparkassenverlag, den neuen elektronischen Hoffnungsträger.

Erster Schritt E-Commerce

Das Shoppen über Paydirekt läuft in der ersten E-Commerce-Ausbaustufe etwa nach folgendem Szenario ab: Sie sind in einem Online-Shop, haben einen vollen Warenkorb und wollen bezahlen. Über einen Button „Paydirekt“ können Sie dort Ihre Bank oder Sparkasse auswählen. Nach einer einmaligen Registrierung wird es möglich, mit dem vergebenen Benutzernamen und dem Passwort zu bezahlen. Bei einem zweiten Besuch des gleichen Shops erkennt das System automatisch, dass Sie Sparkassenkunde sind. Dr. Mock-Hecker: „Im System Paydirekt ist Ihr Girokonto hinterlegt. Sie bezahlen mit Ihrer Sparkasse. Alle Umsätze erscheinen daher direkt auf dem Girokonten-Auszug.“ Voraussetzung für das Gelingen ist allerdings, dass der Internet-Handel das neue Bezahlsystem der deutschen Kreditwirtschaft auch zügig in seine Portale und Shops integriert. Dr. Mock-Hecker ist da nicht bange: „Einem elektronischen Bezahlsystem, das neben der der Sparkassen-Finanzgruppe und den Genossenschaftsbanken auch von der Deutschen Bank und der Postbank sowie die Commerzbank getragen wird, würde ich mich als Händler in Deutschland schon aus Eigennutz nicht verschließen.“

Der Branchenverband Bitkom allerdings mahnt das Betreiberkonsortium vor allem an, auch genügend Mittel für den Aufbau eines wettbewerbsfähigen elektronischen Bezahlsystems in Deutschland bereitzustellen. Trotz aller Notwendigkeiten, die die Banken und Sparkassen heute haben, ihre Regulierungsanforderungen zu erfüllen, ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren usw., sei beim Thema elektronisches Bezahlen ein erheblicher Invest notwendig, um zügig voran zu kommen. Dietz: „Wenn dem nicht der Fall sein sollte, werden wir diese Thematik vollständig an die USA verlieren.“

Deutschland muss sich international nicht verstecken

Dabei muss sich Deutschland im internationalen Vergleich beim bargeldlosen Bezahlen nicht verstecken. „Hierzulande gehen aktuell bereits knapp die Hälfte aller Transaktionen des Umsatzvolumens elektronisch vonstatten“, betont Oliver Hommel, Zahlungsverkehrs- experte bei der Unternehmensberatung Accenture. Bezogen auf die tatsächlichen Transaktionen sind es aber immer noch 80 Prozent Barzahlungen. Hommel: „Insbesondere kleine Beträge werden in Deutschland immer noch fast ausnahmslos bar bezahlt.“ Die in Europa führenden Nationen sind neben den skandinavischen Ländern Großbritannien und die Niederlande, bei denen der Anteil der elektronischen Transaktionen jeweils deutlich höher ist. Länder aus Osteuropa dagegen weisen oftmals noch einen Bargeldanteil von über 70 Prozent des Umsatzvolumens auf.

Wo also geht die Reise hin?  Es wird immer Bereiche geben, wo Bargeldzahlungen stattfinden werden und ihre Vorteile haben“, ist der Accenture-Zahlungsverkehrs-
experte fest überzeugt. Dennoch gelte es – insbesondere vor dem Hintergrund der hohen volkswirtschaftlichen und sozialen Kosten des Bargeldes –, in der Gesellschaft ein gemeinsames Interesse daran aufzubauen, Barzahlungen so weit wie möglich und verträglich durch elektronische zu ersetzen.

Veröffentlichungen in: „Sparkassen-Zeitung“

© Harald Lutz 2015
 



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